CRIES OF MELANCHOLY

CRIES OF MELANCHOLY

 

Pressestimme

 

Werke von W. Lawes, W. Byrd, A. Holborne, M. Locke u.a.

 

Melancholie war und ist in England allgegenwärtig in der Kunst: man denke an die  Besonderheiten Englischer Gärten, an die Bildsprache der Malerei, an die Themen der Literatur und an die Tiefsinnigkeit musikalischer Werke. Im 17. Jahrhundert gerät Melancholie noch mehr als in anderen Jahrhunderten in den Fokus der Künstler, der Gesellschaft: die Unruhe, die Rastlosigkeit der politischen und religiösen Entwicklungen finden ihren Niederschlag in Werken, die von Tod, Tränen und Trauer handeln – und von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf das Schöne, auf Liebe und Vertrauen.

Kaum ein Buch war so verbreitet in dieser Zeit wie Robert Burtons Anatomy of Melancholy, ein Buch, das in intensiven, übersteigerten Bildern die Melancholie und damit das Leben in die Welt hinausschreit, das aber auch in feiner philosophischer Konzentration Melancholie aus der Geschichte ableitet und spielerisch leicht in grosse Zusammenhänge zu setzen vermag.

Cries of Melancholy: so heisst das neueste Programm des Zürcher Barockorchesters: es ist ein Versuch, die Facetten dieses Lebensgefühls darzustellen.

Die Werke Anthony Holbornes, um 1600 im Stile höfischer Musik geschrieben, enthalten die Keimzellen, aus denen dann die Kompositionen eines Matthew Locke oder William Lawes entstehen konnten: feine, lichte musikalische Ölgemälde, in denen die Themen Hoffnung, Tränen, Nacht, Seufzer und Paradies abgebildet sind - in ihrer musikalischen Ausschmückung frühe Zeugnisse eines affektiven Komponierens, das bis in harmonische Verläufe und melodische Figuren den Stil der kommenden Jahrzehnte vorprägt. Im Schaffen W. Lawes, der für seinen König auf dem Schlachtfeld sein Leben liess, erlebt dieser Stil seinen Höhepunkt: harmonische Kühnheiten wechseln sich mit satztechnischem Chiaro-Scuro – Stil in für damalige Verhältnisse in aussergewöhnlichem, bis da noch nie erlebtem Gestus. ab.

Cries of Melancholy: dahinter steckt das Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit, Vertrauen und Hoffnung, stehen aber auch die Grundfragen zur Endlichkeit des Seins, das Verzweifeln am Sein. Solches transportiert diese Musik.